Krauses, lockiges, gewelltes Haar… Stellen wir doch mal die unbequeme Frage: Kann man einfach in jeden Friseursalon gehen, ohne eine Enttäuschung zu riskieren? Die Realität ist vielschichtig. Ja, manche Salons sind auf alle Haarstrukturen eingestellt. Aber nein, das ist noch nicht überall der Fall. Das liegt an einer Ausbildung, die immer noch zu stark auf glattes Haar fokussiert ist. Die gute Nachricht: Spezialisierte Anbieter ändern das. Hier erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie die Situation verstehen und den Salon finden, der Ihre Locken liebevoll pflegt.
Schritt 1 – Der CAP-Friseurberuf, ein obligatorischer, aber unvollständiger Weg
In Frankreich ist für die Eröffnung eines Friseursalons der CAP coiffure obligatorisch. Er ist die gesetzliche Grundlage: Alle Salons müssen mindestens einen diplomierten Fachmann beschäftigen. Auf dem Papier sollte dies eine universelle Expertise gewährleisten.
Problem: Das CAP-Programm ist vor allem auf glattes oder leicht gewelltes Haar ausgerichtet. Techniken für krauses oder lockiges Haar werden dort kaum behandelt.
Das Ergebnis? Viele Friseure und Friseurinnen schließen ihre Ausbildung ab, ohne jemals afro-Haar gestylt zu haben.
Schritt 2 – Warum krauses Haar ein blinder Fleck bleibt
Krauses Haar erfordert spezifische Handgriffe. Seine Dichte, seine Schrumpfung (der berühmte shrinkage) und seine natürliche Zerbrechlichkeit erfordern angepasste Techniken. Ein Schnitt, ein Föhnen oder sogar eine Coloration werden nicht auf die gleiche Weise durchgeführt wie bei feinem und glattem Haar.
Hinzu kommen die sogenannten „schützenden“ Frisuren (Zöpfe, Twists, Locks), die für die Erhaltung der Gesundheit von texturiertem Haar unerlässlich sind. Diese fehlen jedoch in den klassischen Lehrplänen. Kein Wunder, dass viele traditionelle Salons sich nicht auf dieses Terrain wagen.
Schritt 3 – Afro-Salons, Pioniere der Haarvielfalt
Angesichts dieses Mangels waren Afro-Salons lange Zeit die einzigen Zufluchtsorte für krauses Haar. Ihre Expertise: angepasste Pflege, respektvolle Schnitte und die Beherrschung schützender Frisuren. Sie empfangen eine Kundschaft, die jahrzehntelang in den sogenannten „klassischen“ Salons keinen Platz fand.
Auch heute noch sind Afro-Salons unverzichtbare Adressen für alle, die eine perfekt auf krause oder lockige Texturen abgestimmte Leistung suchen.
Schritt 4 – Die Ausbildung entwickelt sich (endlich)
Die gute Nachricht ist, dass sich der Sektor bewegt. Spezialisierte Organisationen haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Lücken des CAP zu schließen und Friseure in der Haarvielfalt auszubilden.
- Les Ateliers Crépus: Pioniere in der beruflichen Ausbildung für krauses, gelocktes und lockiges Haar. Ihre Pädagogik ist anerkannt, so dass sie von Institutionen wie der Comédie-Française angefragt wurden, um Friseure für texturierte Haartypen auszubilden.
- Dioka Academy: Qualiopi-zertifizierte Organisation, spezialisiert auf professionelle Schulungen für das Styling von Afro- und Lockenhaar.
- Studio Ana’e: Multitextur-Schulungszentrum (glattes, lockiges, krauses Haar), ebenfalls Qualiopi-zertifiziert, das sich als Referenzakteur positioniert.
- Marques capillaires (Activilong, Les Secrets de Loly…): Sie organisieren auch Masterclasses, um die richtigen Handgriffe zu vermitteln und angepasste Pflege zu demokratisieren.
Noch besser: Ein großer Fortschritt wurde erzielt: die Schaffung einer nationalen Zertifizierung „Techniques de coiffure pour cheveux spécifiques, bouclés à crépus“ (RS6020). Vom Staat anerkannt, wertet sie diese Kompetenz offiziell auf und ermöglicht es Salons, eine zertifizierte Expertise vorzuweisen.
Schritt 5 – Salons, die sich allen Haartypen öffnen
Dank dieser neuen Ausbildungen öffnen sich einige traditionelle Salons endlich einer vielfältigeren Kundschaft. Ihr Ziel: alle Texturen aufnehmen zu können, vom feinen, glatten Haar bis zum dichtesten krausen Haar.
Für die Kundinnen ist das eine kleine Revolution. Diese gemischten Salons bieten:
- ein inklusiveres Erlebnis, bei dem jeder seinen Platz findet,
- eine erweiterte Dienstleistungspalette, vom klassischen Föhnen bis zu afrikanischen Zöpfen,
- ein besseres Eingehen auf spezifische Bedürfnisse.
Aber Vorsicht: Diese Einrichtungen sind immer noch in der Minderheit. Einen Salon zu finden, der sein Know-how für krauses Haar klar kommuniziert, erfordert noch etwas Recherche.
Schritt 6 – Wie erkennt man, ob ein Salon wirklich geeignet ist?
Vor der Buchung ein paar einfache Tipps:
- Durchsuchen Sie ihre sozialen Netzwerke: Ein Salon, der regelmäßig Arbeiten an krausem Haar veröffentlicht, beweist, dass er es kann.
- Lesen Sie ihre Leistungsübersicht: Wenn spezifische Behandlungen oder schützende Frisuren erwähnt werden, ist das beruhigend.
- Zögern Sie nicht zu fragen: „Haben Sie schon einmal krauses Haar gestylt? Haben Sie eine spezielle Ausbildung absolviert?“
Diese Fragen sind nicht aufdringlich: Sie zeigen lediglich, dass Sie eine qualitativ hochwertige Leistung suchen.
Kann man also mit krausem Haar in jeden Friseursalon gehen? Noch nicht. Der CAP coiffure deckt diese Textur immer noch nicht ausreichend ab, und viele Fachleute fühlen sich damit nicht wohl. Aber der Trend ändert sich: Mit Organisationen wie Les Ateliers Crépus, Dioka Academy oder Studio Ana’e und der neuen nationalen Zertifizierung bewegt sich das französische Friseurhandwerk hin zu mehr Vielfalt und Inklusivität.
Für die Kundinnen ist die Botschaft klar: Nehmen Sie sich die Zeit, die Kommunikation und die Kompetenzen des Salons zu überprüfen. Und wenn Sie ein kompromissloses Erlebnis suchen, bleiben Afro-Salons die sichersten Adressen, damit Ihre Locken in ihrer natürlichen Schönheit zur Geltung kommen.